Schiedsrichter-Ball

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Schiedsrichter (Howard Webb) bei der Ausführung eines Schiedsrichterballs

Der Schiedsrichter-Ball ist die Spielfortsetzung für alle Unterbrechungen, die keine eigene Spielfortsetzung haben. Dazu gehören beispielsweise Verletzungen, die nicht aus einem Foulspiel resultieren, Fehler des Schiedsrichters und Eingriffe Dritter.

Anwendungsfälle des Schiedsrichter-Balls[Bearbeiten]

Warnung: Der Inhalt dieses Artikels wurde als veraltet markiert. Dies kann insbesondere bedeuten, dass sich der Inhalt dieses Artikels auf Regeln bezieht, die inzwischen nicht mehr gültig sind, oder auf eine geänderte Auslegung. Möglicherweise finden sich auf der Diskussionsseite des Artikels mehr Informationen.

Das Spiel ist mit einem Schiedsrichter-Ball fortzusetzen, wenn der Schiedsrichter das Spiel zuvor unterbrochen hatte

  • wegen einer Verletzung; der Schiedsrichter soll das Spiel unterbrechen, wenn seiner Ansicht nach ein Spieler ernsthaft verletzt ist[1]
  • weil ein Defekt an einem Tor aufgetreten ist[2];
  • weil ein Defekt am Ball aufgetreten ist[3] (für Besonderheiten beim Strafstoß siehe dort)
  • weil eine Drittperson oder ein Teamoffizieller das Spielfeld betreten hat;
  • wenn der Ball gegen ein auf das Spielfeld ragendes Hindernis (z.B. einen Baum) gekommen ist;
  • wenn der Schiedsrichter das Spiel unterbrochen hat, dann aber feststellt, dass es sich hierbei um einen Irrtum gehandelt hat (z.B. bei der Abseitsbewertung einen Spieler übersehen, Videobeweis).

Die Spielfortsetzung mit dem Schiedsrichter-Ball ist dabei stets nachrangig, d.h., sie gilt nur, wenn keine andere Spielfortsetzung in Frage kommt. Hat sich z.B. ein Spieler bei einem Foulspiel eines Gegenspielers verletzt, wird das Spiel mit Freistoß fortgesetzt, weil das Spiel nicht wegen der Verletzung, sondern wegen des Foulspiels unterbrochen wurde.

Ausführung[Bearbeiten]

Zur Saison 2019/2020 wurde die Regelung zum Schiedsrichter-Ball vollständig überarbeitet (siehe auch Abschnitt #Regeländerungen). Seitdem nimmt nur noch genau ein Spieler am Schiedsrichterball teil. Alle anderen außer dieser Spieler stehen mindestens vier Meter vom Ort der Ausführung entfernt.

Der Schiedsrichterball wird von dem Team ausgeführt, das vorher zuletzt den Ball berührt hatte; dieser Ballbesitz wird durch den Schiedsrichterball also quasi „wiederhergestellt“. Die Ausführung findet an dem Ort statt, an dem der Ball zuletzt von einem Spieler, einer Drittperson oder dem Schiedsrichter berührt worden ist.

Anders gelagert ist es, wenn der Ort für die Ausführung im Strafraum liegt: In diesem Fall erhält immer der Torwart den Schiedsrichterball zugesprochen und die Ausführung findet an einem beliebigen Ort im Strafraum statt. Dabei ist es völlig unerheblich, welcher Spieler den Ball zuletzt berührt hat; der Schiedsrichterball geht in diesem Fall immer an den Torhüter.

Zur Ausführung hält der Schiedsrichter den Ball mit einem Arm etwa auf Hüfthöhe in die Luft und lässt ihn dann fallen. Der Ball ist im Spiel und frei, sobald er den Boden berührt.

Berührt der Spieler den Ball, bevor er auf den Boden aufkommt, ist der Schiedsrichter-Ball zu wiederholen. Eine persönliche Strafe ist deswegen nicht auszusprechen. Ebenfalls wird der Schiedsrichter-Ball wiederholt, wenn er unberührt ins Aus oder ins Tor rollt.

Torerzielung[Bearbeiten]

Aus einem Schiedsrichter-Ball kann kein Tor erzielt werden; dies gilt auch für Eigentore. Wird der Ball vom ausführenden Spieler ins gegnerische Tor geschossen, ist das Spiel mit Abstoß fortzusetzen, bei einem Eigentor mit Eckstoß.

Es ist somit notwendig, dass nach einem Schiedsrichterball zwei Spieler den Ball berühren, bevor ein Tor oder Eigentor erzielt werden kann.

Schießt ein Spieler einen Schiedsrichterball direkt auf das Tor und ein gegnerischer Spieler berührt diesen Ball, bevor er ins Tor geht, handelt es sich um ein gültiges Tor. In diesem Fall wird das Tor als Eigentor gewertet.

Anpfeifen?[Bearbeiten]

Darüber, ob ein Schiedsrichter-Ball anzupfeifen ist, bestehen die unterschiedlichsten Auffassungen zwischen "immer" und "nie". Es bestehen regional unterschiedliche Anweisungen; zu dieser Frage sollte daher der jeweilige Lehrwart gefragt werden. Halbwegs konsensfähig sollte gleichwohl Folgendes sein:

Die Regel 5 schreibt den Pfiff für bestimmte Fortsetzungen zwingend vor,[4] andererseits verbietet sie den Pfiff unter keinen Umständen; anzupfeifen kann daher kein Regelverstoß sein. Bei der geringen Zahl von Schiedsrichter-Bällen ist auch ein Abnutzungseffekt des Pfiffs nicht zu befürchten.

Danach muss eine Spielfortsetzung, also auch der Schiedsrichter-Ball, angepfiffen werden, wenn der Schiedsricher in der vorhergehenden Spielunterbrechung eine persönliche Strafe ausgesprochen hat, wenn eine Auswechslung erfolgte, oder wenn das Spiel wegen einer Verletzung unterbrochen wurde. In allen anderen Fällen kann der Pfiff unterbleiben.

Von einigen wird die Notwendigkeit des Pfiffs auch in de vorgenannten Fällen bezweifelt. Die Begründung lautet, dass beim Schiedsrichter-Ball der Schiedsrichter selbst das Spiel fortsetzt, also den Schiedsrichter-Ball ausführt, und es daher keines weiteren Signals bedarf.

Unabhängig davon bietet sich ein Pfiff in allen Fällen an, wenn der Schiedsrichter der Auffassung ist, dass zumindest einige Spieler noch unaufmerksam sind, mit anderen Worten also nicht mitbekommen haben, dass es weitergehen soll.

Regeländerungen[Bearbeiten]

Ausführung eines umkämpften Schiedsrichterballs mit Teilnehmern beider Teams, gültig bis 2018/2019

Die Regeln zum Schiedsrichterball wurden zuletzt zweimal stark überarbeitet: Zur Saison 2012/2013 (hinsichtlich Torerzielung) sowie zur Saison 2019/2020 (vollständige Änderung der Regelungen).

Änderungen zur Torerzielung 2012/2013[Bearbeiten]

Zur Saison 2012/2013 wurde festgelegt, dass aus einem Schiedsrichterball nicht mehr direkt ein Tor erzielt werden kann. Vor einer Torerzielung (auch Eigentorerzielung) sind seitdem mindestens zwei Ballberührungen notwendig. Diese Regelung ergab sich aus mehreren „versehentlichen“ Torerzielungen mit Fair-Play-Gedanke: Spieler wollten den Ball weit in die gegnerische Hälfte schlagen, um dem Gegner den Ballbesitz zu überlassen (beispielsweise nach einer Verletzungsbehandlung), trafen den Ball aber so, dass er über den gegnerischen Torwart hinweg ins Tor flog.

Vollständige Änderung 2019/2020[Bearbeiten]

Zur Saison 2019/2020 wurde die Regelung zum Schiedsrichter-Ball vollständig überarbeitet. War der Schiedsrichterball vorher „umkämpft“, nimmt seitdem nur noch genau ein Spieler am Schiedsrichterball teil. Auch der Ort der Ausführung wurde geändert; bis zur Regeländerung wurde der Schiedsrichterball immer dort ausgeführt, wo sich der Ball im Moment der Spielunterbrechung befand. Dies ist nicht mehr gültig!

Eine weitere Änderung lag in der Konkretisierung der Torerzielung: Während seit der Regeländerung im Jahr 2012 zwei Ballkontakte für die Torerzielung notwendig waren, ist es seit 2019 notwendig, dass zwei Spieler den Ball berühren, bevor ein Tor erzielt werden kann. Dies gilt auch für Eigentore.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. FIFA-Auslegung zu Regel 5
  2. FIFA-Auslegung zu Regel 1
  3. Regel 2
  4. FIFA-Auslegung zu Regel 5