Vorteilsregel

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Im Rahmen der Vorteilsregel kann der Schiedsrichter nach einem Vergehen einer Mannschaft das Spiel weiterlaufen lassen, anstatt einen Freistoß für die gegnerische Mannschaft auszusprechen, wenn sich aufgrund der Spielsituation ein Vorteil für die gegnerische Mannschaft (also die Mannschaft, die das Vergehen nicht begangen hat) ergibt.

Der Vorteil ersetzt also die notwendige Spielfortsetzung, wenn zu erwarten ist, dass die weiterlaufende Spielsituation für die Mannschaft einen größeren Vorteil bietet als die eigentliche Spielfortsetzung.

Ablauf

Wenn der Schiedsrichter ein Vergehen wahrnimmt (beispielsweise ein Foul), die benachteiligte Mannschaft aber im Ballbesitz bleibt, kommt eine Entscheidung auf „Vorteil” in Frage. Dabei hat die Anwendung der Vorteilsregel folgende Ziele:

  • Dem Team, welches das Vergehen nicht begangen hat, soll die aussichtsreiche Situation aus dem Spiel nicht genommen werden, wenn diese durch die Spielfortsetzung wahrscheinlich nicht in demselben Umfang wiederhergestellt werden kann, und
  • Der Spielfluss soll nicht unnötig unterbrochen werden, wenn dies nicht notwendig ist.
Praxistipp Praxistipp! Praxistipp

Dem Schiedsrichter stehen zwischen Zeitpunkt des Vergehens und Entscheidung auf „Vorteil” rund fünf Sekunden zur Verfügung. Diese Zeit nutzt er, um einerseits abzuwarten, wie sich die Spielsituation entwickelt: Bleibt die Situation vielversprechend, kommt die Vorteilsregel zur Anwendung; verliert die Mannschaft allerdings den Ball, pfeift der Schiedsrichter und die Mannschaft erhält die entsprechende Spielfortsetzung zugesprochen, beispielsweise einen Freistoß.

Wartet der Schiedsrichter die ihm zur Verfügung stehende Zeit ab und entscheidet sich dann, das Spiel doch zu unterbrechen, wird dies als verzögerter Pfiff bezeichnet. Grundsätzlich hat sich auch der Begriff Wait and See (englisch für „Abwarten und beobachten”) etabliert.

Spätestens mit Ablauf dieser fünf Sekunden muss der Schiedsrichter eine Entscheidung treffen: weiterspielen gemäß Vorteilsregel oder Unterbrechung des Spiels. Dabei muss der Schiedsrichter diese Zeit nicht ausschöpfen; wenn die Situation eindeutig ist, entscheidet er schneller.

Bei einer Entscheidung auf Vorteil zeigt der Schiedsrichter dies gemäß der vorgegebenen Zeichen (mit einem oder beiden Armen, siehe Abbildung unten) an. Sobald der Schiedsrichter auf Vorteil entschieden hat, kann diese Entscheidung nicht rückgängig gemacht werden, ein nachträglicher Freistoß ist also nicht möglich. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn der Vorteil eingetreten ist.

Beispielsituation 1: Ein Spieler der Mannschaft A läuft mit dem Ball auf das Tor zu und hat nur noch den gegnerischen Torhüter vor sich. Dieser stellt dem angreifenden Spieler im Zweikampf irregulär ein Bein. Der angreifende Spieler bleibt aber in Ballbesitz, läuft um den Torhüter und schießt den Ball ins Tor.
Entscheidung: Tor, Anstoß. Der Schiedsrichter entscheidet auf Vorteil und gibt das Tor, da dieses in jedem Fall einen größeren Vorteil darstellt, als der fällige Freistoß/Strafstoß. Ggf. ist eine persönliche Strafe gegen den Torhüter notwendig.
Beispielsituation 2: Ein Spieler der Mannschaft A läuft mit dem Ball auf das Tor zu und hat nur noch den gegnerischen Torhüter vor sich. Dieser stellt dem angreifenden Spieler im Zweikampf irregulär ein Bein. Der angreifende Spieler bleibt aber in Ballbesitz, läuft um den Torhüter und hat das leere Tor vor sich. Beim Schuss aufs Tor trifft der Spieler den Ball nicht richtig, sodass der Ball am leeren Tor vorbeirollt.
Entscheidung: Abstoß. Da die aussichtsreiche Situation durch Anwendung der Vorteilsregel wiederhergestellt wurde, ist der Vorteil eingetreten. Dies gilt auch dann, wenn die Situation nicht zum Tor führt. Wenn die aussrichtsreiche Situation eindeutig wiederhergestellt wurde, ist es auch irrelevant, ob der Schiedsrichter das entsprechende Zeichen für Vorteil gegeben hat.

Zeichengebung